Vielleicht haben wir nicht zu wenig Zeit – sondern zu wenig Verbindung
- Anke Keller

- vor 15 Stunden
- 5 Min. Lesezeit

Vor zwei Wochen saß ich in meinem Hof unter dem Kirschbaum mit seinen wunderschönen rosa Blüten. Ich war erschöpft, müde und mein Körper schmerzte.
Ich hatte mir diesen Platz ausgesucht, um aufzutanken. Die Sonne schien mir ins Gesicht. Und plötzlich wurde mir klar, wie ich in den letzten Tagen in Sorgen versunken war. Ich war gar nicht mehr im Hier und Jetzt.
Mir war höchstens als Randnotiz - zum sofortigen Wieder-Vergessen verdammt - aufgefallen, dass der Baum in seiner vollen Blüte stand. Aber das war nicht das Einzige. Es hatte mir meinen Blick auf die Welt vernebelt.
„Sorgen
nehmen uns nicht den Kummer von morgen,
aber die Leichtigkeit von heute“
Es ist fast schon egal, was zu erst da war: die Erschöpfung oder die Sorgen? Beides geht.
Früher habe ich mir über alles und jeden Sorgen gemacht und mich darüber erschöpft. Heute ist es meist umgekehrt. Ich bin - aus welchen Gründen auch immer - erschöpft und drifte dann in Sorgen ab.
Gründe gibt es allemal genug:
Wir leben in einer Gesellschaft, die ihre Kinder einem Schulsystem überlässt, von dem wir inzwischen wissen, dass es sie nicht auf das Leben vorbereiten wird, nicht mal mehr auf einen Job, wie sie in fünf oder zehn Jahren zur Verfügung stehen werden.
Wir haben ein sogenanntes "Gesundheitssystem", in dem so viel Wissen wie nie zuvor vorhanden ist, und die Menschen trotzdem immer kranker werden.
Wir leben in einem Wirtschaftssystem, in dem ein paar Reiche immer reicher werden, während die anderen immer mehr arbeiten und sich davon kaum noch ein Leben leisten können. Von einer zukunftsgerichteten Absicherung ganz zu schweigen.
Die politische und geopolitische Lage ist mehr als bedenklich, wenn nicht schon beängstigend.
Unsere Nahrung wird immer weiter verändert. Weintrauben ohne Kerne und damit ohne all die Botenstoffe und Inhalte, die sie für uns so wertvoll machen. Saatgut, dass nicht mehr vermehrt werden darf.
...und im Alltag haben wir es mit einer zunehmenden Ellenbogenmentalität zu tun. (Ausnahmen bestätigen die Regel.)
"Puh. Ganz schöne Schwarzmalerei." wirst Du jetzt denken. Keine Sorge. Ich gehöre nicht zu den Menschen, die darin hängen bleiben.
Aber bei aller Liebe müssen wir uns das mal alles vergegenwärtigen. Denn egal wie positiv wir im Alltag bleiben, das macht unterbewusst etwas mit uns.
Kein Wunder suchen viele Menschen DIE Lösung für sich, wollen sich nicht noch mit einem weiteren großen Thema beschäftigen. Schon gar nicht damit, im eigenen Leben grundlegend etwas zu verändern – selbst wenn es nur kleine Schritte wären.
Da kommen die ganzen Angebote im Netz oder Supermarkt doch gerade recht:
Fertiges Essen.
Die Wunderpille für mehr Energie.
Schneller Reichtum ohne Risiko.
Der perfekte Garten ohne Arbeit.
Das Mittel gegen Wechseljahre, die eigentlich gar keine Krankheit sind.
Alles soll sofort leichter werden.
Und vielleicht ist genau das der Punkt:
Wir versuchen immer öfter, uns von dem zu entlasten, was uns eigentlich mit dem Leben verbinden würde.
... und dann sitze ich da, diese 2-5 Minuten - mehr war es nicht.
Ich zog aus meinen Karten das Herz des Himmels. Es steht für jene Liebeskraft, auf der die ganze Schöpfung beruht. Sie ist am Werk, wenn wir kreativ werden und dem Formlosen Gestalt verleihen.
Wenn wir uns in die Küche stellen und aus frischem Zutaten eine nahrhafte und gesunde Mahlzeit für uns und unsere Liebsten zaubern.
Wenn wir die dreckige Wäsche waschen, sie sorgfältig gefaltet oder gebügelt in den Schrank legen, um uns irgendwann in den nächsten Tagen daran zu erfreuen, sie wieder tragen zu können.
Wenn wir uns - auch wenn es gerade viel ist und egal ob für einen Moment oder dauerhaft - um einen Menschen kümmern, der Hilfe braucht.
Wenn wir uns um einen Garten kümmern, nicht so dass er toll aussieht ohne Arbeit zu machen, sondern des Gartens und der Natur willen, in dem dann ein paar Wochen, Monate oder auch Jahre später Schmetterlinge, Vögel und all das dafür notwendige Kleingetiers zurück kommt, dass wir Menschen zum Überleben brauchen werden.
Wenn wir gerade nur schnell mit dem Hund raus wollten und uns trotzdem Zeit für die Nachbarin nehmen, die extra aus dem Haus gerannt kommt, um uns etwas zu erzählen.
Wenn wir uns Zeit nehmen für die Menschen, die uns lieben und umgekehrt, anstatt nur noch Geschenke oder eine Aufmerksamkeit mit der Post zu schicken, die vermutlich in ein paar Wochen aufgebraucht ist oder in einer Ecke verstaubt.
Das alles ist Verbindung.
Aus Verbindung entsteht Energie.
Aus Energie entsteht Leben.
Es ist diese Verbindung und diese Liebe, die wir teils verloren zu haben scheinen.
Das Kümmern wird zur Aufgabe. Wir haben irgendwann angefangen, alles in Geld aufzuwiegen. Fürsorge wird in Arbeitsstunden und Stundenlohn umgerechnet. Selbstversorgung wird als Luxus angesehen, den man sich leisten können muss, wozu keiner mehr Zeit hat, weil er damit kein Geld verdienen kann, um sich dann völlig erschöpft von irgendwelchen Medien berauschen zu lassen oder den nächsten Kick in einer künstlichen Welt zu suchen, die nur eines zum Zweck hat: den Adrenalinkick, der dafür sorgt, dass wir Morgen gleich anfangen für den nächsten Besuch zu sparen.
Dabei kann uns Geld nicht in den Arm nehmen. Es ist auch nicht da, wenn wir Zuspruch brauchen (meistens zumindest nicht). Vermutlich früher als uns lieb ist, werden wir noch feststellen, dass es uns auch nicht wirklich ernährt. Und jeder von uns kennt es, die Wunderpille, die uns ohne jegliche Veränderung plötzlich supergesund macht, gibt es nicht. Der Effekt hält genau so lange an, bis die Packung leer ist. Und so beginnt der neue Kreislauf einer Abhängigkeit.
Und da sind wir bei der zweiten Erkenntnis:
All die Informationen,
auf die wir heute zugreifen können, sind nicht Wissen.
Und selbst wenn wir Wissen besitzen,
ist es noch nicht gleichzusetzen mit Weisheit.
(frei übersetzt aus dem Tao)
Es ist die Verbindung mit uns selbst, die uns rausfinden lässt, was unser Leben ausmacht, worin unsere eigene Liebeskraft und Kreativität liegt.
Und es gibt uns Energie, wenn wir genau diese Kreativität dann einsetzen. Sie lädt unsere Akkus auf. Und sie ist individuell, bei jedem von uns anders.
Ich erzähle Dir eine kleine Geschichte aus meinem Leben:
Ich hasse Unkrautjäten.
...dachte ich zumindest mein ganzes Leben, bis zu dem Moment im letzten Frühjahr, als ich in dem mir innerhalb von wenigen Wochen über den Kopf gewachsenen Gemüsegarten kopfüber im kniehohen "Unkraut" stand.
Ich brauchte Platz für mein Gemüse und grummelte vor mich hin, was mich wohl geritten hat, als ich beschlossen hatte, einen so großen Gemüsegarten anzulegen. Ich hatte anstrengende Wochen hinter mir, die mein Nervensystem blank gelegt hatten. Jeder Quadratmeter schien eine Qual
...bis mir einfiel, dass im Yoga unterrichtet wird, dass Vorwärtsbeugen (kopfüber) das Nervensystem entlasten.
Ich hatte mich in dem Moment dafür entschieden, ganz da zu sein - im Hier und Jetzt - und habe dadurch mein hinter dem blanken Nervensystem verborgenes Halbwissen mit der aktuellen Situation im Außen und im Innen verbunden. Und von da an - was soll ich sagen? - flutschte es.
Ich habe mich und meine Familie noch im gleichen Jahr angefangen, fast komplett aus unserem Garten mit Gemüse zu versorgen. Und ich habe mich darüber gefreut, wie ein kleines Kind, wenn es zu Weihnachten vor dem Baum und den Geschenken steht.
Gleichzeitig - und das ist das worauf ich hinaus will - ist es ganz oft mein ganz bewusst gewählter Ausgleich, wenn ich merke, dass Gedanken über unsere Zukunft, Gesundheit, Finanzen etc. mich vereinnahmen. Dann fange ich an, mich wieder auf das Jetzt zu konzentrieren, damit im Jetzt für mich und meine Familie zu sorgen. und dann gibt es diese Momente, in denen ich wahrnehmen kann, dass sich ein leckeres Gemüse vom letzten Jahr selbst ausgesät hat, wie schön die Kirschblühte aussieht oder ich genieße den Moment mit den Menschen in meinem Leben.
Vielleicht geht es gerade genau darum. Vielleicht wächst uns gerade als Gesellschaft deshalb alles so über den Kopf, damit wir uns wieder auf diese Verbindung zu uns selbst konzentrieren.
Vielleicht wird es Zeit, all das Wissen, dass wir haben, nicht mehr nur aufzusaugen, vielmehr mit uns selbst zu verbinden und dadurch lebendig und wirksam zu machen.
Wenn du merkst, dass ...
dich das anspricht und du dir Begleitung dabei wünschst, wieder mehr bei dir selbst anzukommen, melde dich gerne.
🩷 ...und klicke gerne auf das Herzchen unten rechts. Danke




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