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Wenn der Kopf schreit, und keiner zuhört



Meine Geschichte mit Migräne und was Ayurveda mir gezeigt hat


Ich war 13, als ich das erste Mal mit Kopfschmerzen beim Arzt saß. Damals, in den 80er-Jahren, war Migräne noch kein großes Thema.


Man hatte halt Kopfschmerzen.

Man nahm Tabletten.

Man funktionierte.


Mit Anfang 20 bekam das Ganze einen Namen:


Migräne. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon regelmäßige Anfälle, die mich aus dem Leben rissen.

Licht tat weh.

Geräusche waren unerträglich.

Ich musste mich zurückziehen, obwohl ich eigentlich gerade dabei war, mein Leben aufzubauen.


Ich machte eine Schmerztherapie.

Akupunktur – ja.

Aber vor allem Medikamente.


Und ich lernte schnell: Wenn ich funktionieren wollte, musste ich nehmen, was half.

Also nahm ich Schmerzmittel.

Viele.

So viele, dass ich irgendwann die Apotheke wechselte, weil mein Apotheker mich besorgt ansprach.


Er hatte recht.

Ich wollte es nur nicht hören.

Ich wollte mein Leben leben.


Jahrelang hielt ich mich so über Wasser.

Bis mein Körper irgendwann nicht mehr konnte.


Wenn Funktionieren krank macht


Mit Anfang 40 kam der Zusammenbruch.

Burnout. Nichts ging mehr. Und erst nach dem Burnout – anderthalb Jahre später – kam Ayurveda in mein Leben. Nicht als Konzept. Nicht als Methode. Sondern als Notwendigkeit.


Ich musste verstehen, warum mein Körper so lange geschrien hatte. Und warum niemand zugehört hatte – auch ich selbst nicht.


Noch einmal anderthalb Jahre später bemerkte ich etwas Unerwartetes:


Die Migräne kam seltener.

Leiser.

Und dann – ganz unspektakulär – verschwand sie.


Heute bin ich seit sechs Jahren migränefrei. Nicht, weil ich „geheilt“ wurde. Sondern weil ich gelernt habe, meinen Körper zu lesen, bevor er schreit.



Was Ayurveda bei Migräne anders sieht


Ayurveda betrachtet Migräne nicht als isoliertes Kopfproblem.


Der Kopf ist der Ort, an dem etwas sichtbar wird – nicht der Ort, an dem es entsteht. Aus ayurvedischer Sicht geht es oft um ein Zusammenspiel aus:

  • Überlastung des Nervensystems (Vata)

  • aufgestauter Hitze (Pitta)

  • fehlender Substanz / Lebensenergie (Ojas)

  • ungelösten Stoffwechselrückständen (Ama)

Migräne ist dann keine Störung, sondern ein Notruf.

Ein Zeichen, dass zu lange:

  • Energie verbraucht wurde, ohne aufgebaut zu werden

  • Spannung gehalten wurde, ohne Entlastung

  • Leistung wichtiger war als Rhythmus

  • Funktionieren wichtiger war als Wahrnehmung



Warum Schmerzmittel oft Teil des Problems werden


Das ist kein Vorwurf. Ich weiß, wie verzweifelt man ist, wenn der Schmerz kommt. Aber aus ayurvedischer Sicht unterdrücken Schmerzmittel zwar das Symptom – sie verändern aber nicht den inneren Zustand, der den Schmerz erzeugt.


Im Gegenteil:

Langfristig schwächen sie Verdauung, Gewebe und Nerven – genau die Systeme, die Stabilität bräuchten.



Was wirklich hilft (und warum es Zeit braucht)


Ayurveda fragt nicht: Wie bekomme ich den Schmerz weg? Sondern: Wie wird dein System so stabil, dass der Schmerz nicht mehr nötig ist?


Das bedeutet:

  • Wärme statt Kälte

  • Regelmäßigkeit statt Chaos

  • nährende Ernährung statt Reizüberflutung

  • Rhythmus statt Durchhalten

  • kleine Schritte statt radikaler Programme

  • Ruhe für das Nervensystem

  • Aufbau statt weiterer Entleerung


Das ist kein schneller Weg.

Aber ein tragfähiger.



Und heute?


Seit über 6 Jahren bin ich migränefrei.


Vor 6 Monaten hatte ich noch mal zwei kurze Anflüge von Migräne. In einer Phase, in der mein Nervensystem nach vielen Jahren Daueranspannung langsam in die Ruhe zurückfindet. Das war kein Rückfall. Das war Regulation. Und dann war wieder Ruhe im Karton.



Warum ich das teile?


Dieser Text ist für alle, die spüren:

So kann es nicht bleiben.


Migräne ist kein persönliches Versagen.

Und kein Defekt.

Sie ist ein Signal.


Man darf lernen, es zu verstehen.




Wenn du magst, kann ich dir:

  • eine sanfte ayurvedische Einordnung deiner Migräne geben

  • oder dir helfen zu verstehen, was dein Körper gerade braucht, um leiser zu werden


 
 
 

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