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Ein Beinbruch und seine Heilung

"Phänomenal! Exorbitant!" Das hatte ich noch nicht erlebt. Solche Worte aus dem Mund eines Arztes. Mein Professor schaute sich gerade in meinem Beisein die aktuellen Röntgenbilder meines Beins an. 

 

Ich hatte mir zwei Monate zuvor einen komplizierten Splitterbruch des Schienbeins und einen Durchbruch des Wadenbeins zugezogen. Der Bruch wurde in einer Not-Operation - mein Fuß hatte inzwischen angefangen zu kribbeln -  mit einem sogenannten Marknagel und mehreren Schrauben fixiert. Danach blieb ich eine Woche in der Klinik.

 

Ich durfte auf gar keinen Fall eine falsche Bewegung machen, auf keinen Fall mehr als 20 % belasten. Der gleiche Professor, der jetzt staunte, hatte mir damals ordentlich ins Gewissen geredet. Zu oft hatte er bei so komplizierten Brüchen nach eigener Aussage erlebt, dass durch die Ungeduld des Patienten eine zweite Operation notwendig wurde und der Knochen nie mehr richtig zusammenwuchs. Das saß!

 

Sechs Wochen sollte ich mit den 20% mindestens leben müssen. Mir war nach bereits einer Woche klar, dass ich alles tun musste, um die Zeit so kurz wie möglich zu halten. Gemäß Schulmedizin gab es da nicht viele Möglichkeiten. Krankengymnastik. Lymphdrainage. Sonst hoch legen. Schonen. Abwarten.

 

Im Ayurveda gehören Knochenbrüche zu den Erkrankungen des Bewegungsapparates. Vata ist erhöht. Und tatsächlich konnte ich das täglich erleben. Die Haut an meinem Bein war permanent extrem ausgetrocknet. Und nachdem die Hitze der Entzündungen im Innern abgeklungen war, kam auch die Kälte.

 

Trockenheit und Kälte sind Vata-Eigenschaften. Ausgleichen können wir sie durch nährende, warme, feuchte Maßnahmen und Kost. Also ölte ich mehrmals täglich mein Bein ein, das jedes Tröpfchen aufsog wie ein ausgetrockneter Schwamm. Zu Beginn nahm ich kühlendes und nährendes Ghee, denn die Operationswunde an der Bruchstelle war entsprechend heiß. Später schwenkte ich auf Sesamöl um. 

 

Zusätzlich behandelte ich meinen Unterschenkel abwechselnd jeden Abend mit Murivenna-Öl und einer Beinwellpaste. Murivenna-Öl ist mit Heilkräutern versetzt, die unter anderem die Heilung von Knochenbrüchen, aber auch Gelenkentzündungen fördern. Zweiteres durfte ich ausprobieren, als meine Schulter- und Armgelenke unter der ungewohnten Belastung des Gehens auf Krücken ächzten. Die beginnenden Entzündungen waren bereits mit einer Behandlung jeweils Geschichte. 

 

Von Beinwell sagte auch schon Hildegard von Bingen, dass es zusammenwachsen lässt, was zusammen gehört. Auch im europäischen Ayurveda wird die Pflanze dafür geschätzt. Wem die Paste zu kompliziert in der Anwendung ist, kann auf Beinwell-Salbe aus der Apotheke oder auch Beinwell-Globuli für die innerliche Anwendung zurück greifen. Ich habe die Globuli zusätzlich genommen und nehme die Beinwell-Salbe hin und wieder heute noch. 

 

Wer den Ayurveda bereits kennt, weiß: es geht niemals ohne die richtige Ernährung. Es musste nährend sein, wärmend und ölig/feucht. Eine Vata-reduzierende oder aufbauende Kost. Denn wie soll der Körper im Stande sein Knochenstruktur aufzubauen, wenn er keine Nährstoffe dafür erhält? 

 

Heute erst - wo alles wieder gut war - erklärte mir mein Professor jetzt, dass dieser Heilungsprozess schon sehr außergewöhnlich sei. Nicht selten würde bei so komplexen Knochenbrüchen auch ohne die Ungeduld des Patienten eine zweite Operation mit Knochentransplantation notwendig. Dass in so kurzer Zeit bereits eine komplett neue und in der Oberfläche glatte Knochenstruktur vorhanden war... das erstaunte ihn. 

 

... und ich? Ich war einfach nur froh, dass ich es positiv hatte beeinflussen können. Mit einem gebrochenen Bein kann man das Leben nicht wirklich so richtig genießen... ,-) 

 

 

Übrigens: Es gibt ganz aktuell auch eine klinische Studie zur ayurvedischen Behandlung von Kniegelenksarthrose. Ein Blick lohnt sich!